Von entwaffnender Nacktheit dieser Monolog, mit der er seine vermeintliche Oberflächlichkeit abgeurteilt hat, der Schauspieler Marcello Mastroianni, der immer so wirkte, als würde er nur mit einem Bein in dem Film stehen, der gerade abgedreht wurde, noch nicht ganz fertig mit der Szene – während der Regisseur schon dabei war, zum nächsten Take auszuholen …

Ich gefalle mir nicht. Ich habe mir noch nie gefallen, auch körperlich nicht. Ich gefalle mir nicht, wenn ich vor dem Spiegel betrachte: diese kurze Nase, dieser liebliche Mund. Mir gefallen Münder ohne Lippen und lange Nasen, Adlernasen. Ich bin hübsch, aber ein Mann hat nicht hübsch zu sein.

Je mehr ich darüber nachdenke, frage ich mich, wie es möglich sein kann, dass ein solches Gesicht mich zu ernähren vermag. Dass die Leute darin den Ausdruck einer bestimmten Epoche sehen, mehr noch, einen vielschichtigen, verwirrten, egoistischen, unreifen Menschen? Ich bin all das, aber es kommt noch schlimmer: Ich gefalle mir auch im Innersten nicht.

Um nur eine Sache zu nennen, ich bin ungebildet. Ich habe niemals versucht, etwas zu lernen, niemals habe ich mir gesagt, lesen wir doch dieses Buch, gehen wir doch in diese Ausstellung, hören wir uns jenes Konzert an, das könnte doch ein Vergnügen sein. Kultur stellt für viele Leute ein Vergnügen dar. Für mich stellt sie Unerträglichkeit dar, sowohl körperlich als auch geistig. Weißt du zum Beispiel, dass lesen mich ermüdet?

Ich gehe nie einem Problem auf den Grund. Ich würde gerne, ich schwöre dir, wie gerne würde ich: Deshalb ist es auch so schlimm, sich im Nachteil gegenüber den gut informierten Menschen zu fühlen. Ich hingegen stehe immer nur am Fenster; um zuzusehen.

Es missfällt mir, dass so viele Menschen Hunger leiden, auch ich selbst habe darunter gelitten, ich weiß also, wovon ich spreche, aber ich laufe sicher nicht herum, um mich für die Armen ins Zeug zu legen.

Wenn mir jemand daraus einen Vorwurf macht, antworte ich darauf: ‚Natürlich bin ich ein Sozalist!‘ Trotzdem habe ich nie richtig verstanden, woraus sich dieser Sozialismus zusammensetzt, und ich habe auch nie irgendeinen Versuch unternommen, ihn zu verstehen.

Viele glauben, dass ich eine Ahnung von den Dingen hätte. Manchmal habe ich sie tatsächlich, aber nur auf die gleiche Art wie Tiere, wenn sie ihre Beute wittern und die richtige Abkürzung einschlagen. Aus Instinkt heraus also. Schau, die Liebe zu meinen Bildern zum Beispiel: Sie ist nicht aus einer kulturellen Affinität entstanden, sondern aus Instinkt heraus. Wenn ich eines kaufe, irre ich mich nie.

Deshalb, aus diesem Desinteresse meinerseits allem und jedem gegenüber erwache ich nur dann, wenn ich über mich selbst rede.

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